
Nein ich werde dieses mal nicht in den Louvre gehen Nicht das Floos der Medusa, nicht die Mona Lisa sehen Pas le Cimetière du Père-Lachaise, le Mur des Fédérés Nicht im pied de chochon zu Mittag speisen, nein ich geh Zum Boulevard St Martin, Hausnummer 11, stelle mich davor Und berühre mit der Hand, ohne dass ich den Hof betrete Den Hof betret, das Eingangstor Dann schließe ich die Augn, seh' denselben Boulevard Nur um Jahrzehnte zeitversetzt, da geht ein Mann auf dem Trottoir Männer in Gestapo-Ledermänteln folgen ihm, die Hand Locker an der Waffe, sicher das weder Flucht noch Wiederstand Mehr von diesem mageren Juden zu erwarten steht Der zerlumpt, halb totgeschlagen und scheinbar gebrochen Scheinbar gebrochen, dort vor ihnen geht Er gibt trotz der Schläge, trotz der Folter nicht einen Namen preis Aber ein versteckter Resistance von dem er sagt, dass er weiß Wo es sich befinden könnte, wenn auch nur so ungefähr Und tut so als wüsste er die genaue Hausnummer nicht mehr «Ich führ euch hin», sagt er zu den Nazis, «folgt mir nach ich geh Auf den Boulevard St Martin und ich gebe euch ein Zeichen Euch ein Zeichen, sobald ich es seh'» Aus dem Augenwinkeln sieht er dann so im vorübergehn Den Eingang von Hausnummer 11 einen Spalt breit offen stehn Hastet los und mit letzter Kraft springt er durch das Tor Dreht sich schnell um, schlägt es zu und schiebt den Riegel vor Rennt durch den Hof zum Hinterausgang und kommt bei dem Haus Nummer 18 in der Rue Mesley als freier Mann und lebend Und lebend wieder heraus Er taucht ab, nur für kurze Zeit und geht in den Untergrund Seine Frau und Kameraden aus der Resistance pflegen ihn gesund Doch bald schon kämpft er weiter unermüdlich und er erhebt Von nun immer wieder seine Stimme bangt solang er lebt Vor dem Vergessen ruft er auf zur Wachsamkeit, zum Wiederstand Dass niemals wieder Krieg, nie mehr Faschismus ausgehen solle Ausgehen solle, von diesem Land Nein zugegeben, über so viel Mut wie du verfüge ich nicht Nicht über dein Vertrauen in die Menschheit, deine Zuversicht Aber während meine Hand noch immer dieses Tor berührt Dein Tor zur Freiheit Peter Gingold habe ich nicht nun gespürt Dass mein Herz ganz plötzlich viel kräftiger und freier schlägt Ich kann sogar fühlen wie sich jetzt etwas von deiner Stärke Von deiner Stärke auf mich überträgt
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